VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Aaron  |  Alma  |  Angelina  |  Bernd  |  Christian  |  Flora  |  Jena  |  Johanna  |  Lanrianna  |  Lene  |

Lotte  |  Lydia  |  Maria  |  Mia  |  Niklas  |  Nora  |  Patrizia  |  Sara  |  Sophie  |  Stefan  |  Warinka  |

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Rundbrief Nr. 1

Autor: WarinkaBiskamp | Datum: 18 Februar 2016, 16:35 | 0 Kommentare

Hallo meine lieben Blogleser,

da ich die ganze Zeit schon immer mal was veröffentlichen wollte hier und es bis jetzt nicht hinbekommen habe, kommt jetzt erstmal mein erster Rundbrief. 

Viel Spaß beim Lesen und ich hoffe ihr bekommt einen kleinen Einblick in mein jetztiges Leben in Irente Smile

Ich hoffe an meinen Vorsatz mit dem Blog schreiben werde ich mich bald mal halten Wink

Ganz liebe Grüße,

Warinka

 

 

 

Liebe Familie, Liebe Freunde, Liebe Spender und Rundbriefleser,

 

zu Beginn möchte ich jeden von euch herzlich aus meinem neuen Zuhause Lushoto in Tanzania grüßen. Mir geht es hier sehr gut und ich bin sehr glücklich damit hier gelandet zu sein. Wie ihr alle wahrscheinlich mitbekommen habt, hat meine Ausreise nach Indonesien aufgrund von Visaproblemen nicht stattgefunden. Nach sehr langer Warterei und einigen Schwierigkeiten, u.a. eine Schiene am Fuß und Krücken die ich sechs Wochen lang tragen musste, hat sich dann doch noch eine Alternative in einer afrikanischen Partnerkirche gefunden. Und so bin ich jetzt seit drei Monaten in einem Dorf namens Irente im Lushotodistrict, Tanzania.

Bevor ich auf den nächsten Seiten näher auf mein jetztiges Leben hier vor Ort eingehe möchte ich mich erst nochmal bei meinen Unterstützern und Spendern für ihre Geduld bedanken und auch bei meiner Familie und meinen Freunden für ihre Unterstützung und Hilfe in der schweren Zeit des Abwartens.

 

Der Anfang und die „Vorbereitung“:

Angefangen hat alles mit einem Auswahlseminar im November 2014, ich war sofort beeindruckt von all den netten und aufgeschlossenen Menschen die ich dort kennenlernen durfte, ich war mir zu hundert Prozent sicher, dass ich eine Freiwillige bei der VEM werden möchte um meine Vorbereitungszeit und auch die Zeit im Ausland mit diesen ganzen Leuten verbringen zu können. Nach einem Bürotag im Februar, an welchem Sachen betreffend der Visa und der Versicherung geklärt wurden, und einem sehr spannenden dreitägigen Entwicklungspolitischen Seminar im März folgte dann Anfang Juli das zehntägige Vorbereitungsseminar und im August ein zweiwöchiger Sprachkurs, bei welchem ich noch Indonesisch gelernt habe. Sowohl das Vorbereitungsseminar, als auch der Sprachkurs hat uns als Gruppe, mit 20 Freiwilligen, sehr zusammenwachsen lassen worüber ich unfassbar froh bin, weil ich so mit Leuten in Kontakt gekommen bin, bei welchen ich es vorher nicht in Betracht gezogen hätte bzw. mit welchen es vorher nicht möglich gewesen wäre aufgrund der großen Entfernung.

Nach diesen tollen Tagen mit meinen Mitfreiwilligen, in denen ich auch einen sehr schönen 18ten Geburtstag verbringen durfte, folgte meine Vorfreude und Spannung auf alles was mich in Indonesien erwartet. Die erste Verschiebung der Ausreise um 6 Wochen auf Anfang Oktober kam für mich nicht sehr überraschend, weil es in den Jahrgängen davor auch schon so war und es uns schon angedeutet wurde, dass dies auch bei uns passieren kann. Ehrlich gesagt war ich auch gar nicht so böse um ein bisschen mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden, jedoch ist mir am Ende schon sehr langweilig geworden. Daraufhin folgte allerdings nochmal eine Verschiebung der Ausreise um 4 Wochen, in der Zeit lag ich schon seit zwei Wochen mit einer Schiene am Fuß in meinem Bett, da ich mir durch einen Unfall unebenen Oberstadt ein Außenband gerissen hatte und meinen Wadenbeinknochen (ich denke so heißt er) angebrochen hatte. Obwohl es für die Genesung meines Fußes nicht schlecht war, dass der Flug erneut verschoben wurde, war es schlecht für meinen psychischen Zustand. Wie man vielleicht verstehen kann, macht einen die ständige Warterei und Ungewissheit irgendwann verrückt und auch traurig. Fragen wie „Du bist ja immer noch hier, wolltest du nicht nach Indonesien? Fliegst du überhaupt noch?“ von Leuten die man lange nicht gesehen hat, machen es einem nicht unbedingt einfacher.

Dann kam zum Glück ein Lichtblick, der mich wieder Hoffnung schöpfen ließ : es wird nach Alternativstellen gesucht und für mich ist Tansania vorgesehen. Das hat mich total glücklich gemacht, weil ich nach meinem Besuch in Kenia vor zwei Jahren Tansania ausgewählt hatte für meinen nächsten Besuch in Ostafrika. Natürlich finde ich es sehr schade, dass meine Ausreise nach Indonesien nicht geklappt hat, schließlich habe ich mich auf dieses Land seit Januar letzten Jahres eingestellt und vorbereitet, allerdings denke ich mir auch vielleicht musste ich ja so lang warten um nun nach Tansania zu kommen.

Als sich dann kurz vor meinem geplanten Ausreisetermin immer noch keine feste Stelle für mich rauskristallisiert hat, stellte ich mir die Frage ob ich überhaupt noch weg will. Kurz bevor ich mich schon gegen einen Freiwilligendienst im Ausland entschieden hatte, bekam ich die Nachricht, dass ich eine Stelle in einem Kinderheim in Irente habe und dort mit meinem Mitfreiwilligen Christian und einer Frau von vor Ort zusammenleben werde. Christian arbeitet hier in der Rainbow School, einer Schule für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, und Maria arbeitet in dem damit zusammenhängenden Outreach Program, welches sich um die Aufklärung von Behinderungen und Unterstützung von Familien mit behinderten Kindern in kleinen Dörfern in der Nähe kümmert.

Wie gesagt ist das alles sehr kurzfristig und schnell entschieden worden und ich musste innerhalb von sechs Tagen meine letzten Vorbereitungen für ein komplett neues Land, über das ich noch nicht wirklich viel weiß und dessen Sprache ich auch nicht annähernd kann, und eine komplett neue Einsatzstelle, treffen. Durch den ganzen Stress dieser Tage war es für mich, als ich dann im Flugzeug saß, total surreal, dass ich nun wirklich für die nächsten neun Monate über 11.000 Kilometer von meinem Zuhause weg sein werde.

Auch die ersten Tage in Dar Es Salaam, die ich mit meiner Mitfreiwilligen Angelina (die jetzt anstatt auf Sumatra in Indonesien in Bukoba ebenfalls in Tansania ist) verbracht habe, konnten wir beide es gar nicht fassen, dass es nun soweit ist und ein dreiviertel Jahr voller neuer Eindrücke, Erlebnisse, Menschen, Kulturen, Sprache und und und, auf uns zu kommt.

Als der erste Schock über die unfassbare Hitze in Dar es Salaam überstanden war, folgte der nächste Schock: ich sollte am nächsten Tag mit dem Bus 8 bis 9 Stunden nach Lushoto fahren, alleine und ohne jeglichen Kiswahili-Kenntnisse. Das war für mich natürlich erstmal unvorstellbar, aber auch das habe ich gemeistert und bin heil und wohlauf von meiner Mentorin an der Busstation in Lushoto angekommen. Viel wahrgenommen habe ich von meiner Ankunft in Lushoto allerdings nicht so viel, da ich erstmal von mindestens 15 Picki-Picki – Fahrern (Motorradtaxifahrern) und Tourguides belagert wurde. Als ich dann in meinem neuen Zuhause angekommen bin, war ich nach dem Essen einfach nur froh ins Bett fallen zu können.

 

Meine Arbeitsstelle:

An meinem ersten richtigen Tag in Irente wurde ich von meiner Mitbewohnerin direkt zu meiner Arbeitsstelle gebracht, mir wurde zwar eigentlich gesagt ich sollte mich erstmal einleben und zurecht finden in der neuen Umgebung, aber was sollte ich anderes machen als einfach mit ihr zu gehen. Ich wusste überhaupt nicht was mich als Arbeitsstelle erwarten würde, ich hatte nur gesagt bekommen es wäre ein Kinderheim für Säuglinge bis Kinder mit drei Jahren. Als wir ankamen war gerade die tägliche Morgenandacht, ich wurde also in einen Raum geführt mit sicher zwanzig Mädchen in etwa meinem Alter, alle in schickem roten Kleid. Ich war total überfordert, weil das total anders war als erwartet und stammelte irgendwie meinen Namen heraus. Danach wurde ich durch alle Räume geführt und alle Kinder wurden mir vorgestellt.

Ich arbeite also zusammen mit etwa 20-25 Mädchen bzw jungen Erwachsenen im Alter von 18-21, die eine Ausbildung in der Pflege und Betreuung von Kleinkindern machen. Die Kinder die im Irente Childrenshome betreut werden sind zwischen 0-3 Jahren, deren Mütter meistens an AIDS oder Malaria gestorben sind, die Väter sind teilweise noch am Leben. Mit drei Jahren wird versucht die Kindern wieder in ihre Familien zurückzugeben, sofern es noch jemanden gibt der lebt und das Kind nimmt, andernfalls wird das Kind zur Adoption freigegeben. Im allerschlimmsten Fall kann das Kind aber auch im Kinderheim bleiben. So war zum Beispiel in den „Sommerferien“ im Dezember ziemlich viel los im Kinderheim, da einige Kinder, die sonst in Boarding Schools (also Internaten) sind, über die Ferien im Kinderheim wohnen.

Nach meinem ersten Tag an meinem neuen Arbeitsplatz war ich total überfordert als ich nach Hause gekommen bin. Die ganzen neuen Eindrücke waren zu viel für mich, dazu noch, beziehungsweise der Hauptgrund, war ich einfach überfordert mit der Tatsache, dass all die kleinen süßen Babys die ich an diesem Tag gesehen hatte und mit denen ich zusammen arbeiten werde in der nächsten Zeit, nicht das Privileg wie ich haben, eine Familie zuhaben, die einen liebt und für einen da ist, wenn man sie braucht. Auch jetzt noch kämpfe ich oft mit mir, wenn ich daran denke, aber man lernt damit umzugehen und man lernt das Beste daraus zu machen und zu versuchen den Kindern die Liebe und Zuneigung zu geben die sie brauchen.

Nicht nur das Wissen darüber, dass diese Kinder nicht das Glück haben wie ich mit einer Familie, sondern auch der Anfang mit den Mädchen die dort ihre Ausbildung machen war schwer. Die größte Barriere war einfach die Sprache. Auch wenn die Mädchen dort teilweise Englisch sprechen, ist es für sie natürlich auch eine Überwindung das zu tun, so wie ich jetzt mit meinen Kiswahili-Kenntnissen. Demnach habe ich mich am Anfang auch nicht wirklich wohl gefühlt an meinem Arbeitsplatz.

Jetzt jedoch, mittlerweile sind drei Monate vergangen, freue ich mich morgens auf die Arbeit. Ich freue mich auf die Kinder und ich freue mich auf die Mädchen. Das liegt vielleicht an der Routine, die mittlerweile eingekehrt ist, aber wohl hauptsächlich an dem Sprachkurs den ich seit etwa einem Monat habe, zu dem ich auch später noch kommen werde.

Im Kinderheim gibt es so gesehen vier Gruppen, in der ersten Gruppe sind im Moment vier Säuglinge, da habe ich noch nicht mitgearbeitet, aber ich weiß auch nicht ganz ob ich mir das schon zutraue. Dann gibt es eine Gruppe, die aus etwa 10 kriechenden Kindern besteht und dann die Gruppe in der ich zur Zeit bin. Hier sind im Moment 6 Kinder drin, die dabei sind das Laufen zu lernen, das ist immer ganz witzig anzusehen. Als letztes gibt es noch die Gruppe mit den Kindern die schon laufen und teilweise sprechen können, hierhin möchte ich als nächstes wechseln.

Der Arbeitsalltag in meiner Gruppe im Kinderheim sieht so aus, dass die Kinder morgens um 8 Uhr gewaschen und gewickelt werden, dann spielen wir etwa zwei Stunden mit den Kindern, dann wird wieder gewickelt und gefüttert und dann legen wir sie schlafen und wir haben Mittagspause. Nach der Mittagspause um 14Uhr werden die Kleinen geweckt, gewaschen, gewickelt und dann spielen wir wieder mit Ihnen, bis zum Abendessen um 17Uhr. So entspannt das ganze vielleicht klingen mag, das ist es nicht. Ich komme jeden Abend schon sehr geschafft nach Hause und oft auch mit Kopfschmerzen, von dem ganzen Geschreie und Geweine, wenn man dann aber wieder an das Lachen der Kleinen zurückdenkt ist es nicht mehr so schlimm.

Zu meinem Sprachkurs:

Ich war überglücklich, als ich endlich anfangen konnte Kiswahili zu lernen, ich war (und bin immer noch) total motiviert, weil es meiner Meinung eine Mauer ist die ich jetzt einreiße. Das ist meine Möglichkeit richtige Kontakte aufzubauen. Natürlich habe ich schon Kontakte gemacht und auch Freundschaften geschlossen, aber es ist trotzdem nochmal was anderes mit den neuen Freunden dann auch auf ihrer Sprache zu sprechen. Meiner Meinung nach, kann man erst richtig ankommen, wenn man die Sprache eines Landes lernt.

Zudem bin ich auch super froh über meine Sprachlehrerin Sabine. Sie kommt auch aus Deutschland, aber lebt mittlerweile nun schon über 20 Jahre in Tansania mit ihrem Mann, seit etwa 5 Jahren in Lushoto, hier hat sie ein Gasthaus mit traumhaftem Blick auf die Berge und unterrichtet dazu noch Kiswahili. Wir verstehen uns sehr gut, mit ihr macht das Lernen Spaß und ich muss mich auch nicht schämen,wenn ich das zehnte Mal nach derselben Vokabel frage.

 

Ausflüge:

Was ich definitiv am Ende meines Freiwilligenjahres hier vermissen werde ist die unglaubliche Landschaft der Usambara Berge. Jedes Mal, wenn ich die eine Stunde in die Stadt laufe, bergauf und bergab auf unbefestigten Straßen, genieße ich die Aussicht. Auch viele der Ausflüge,die ich bis jetzt gemacht habe, waren einfach unglaublich. So war ich zum Beispiel schon zweimal bei einem nahegelegenen Aussichtspunkt (Irente Viewpoint).

 

Auch der Kurzurlaub mit meinem Mitfreiwilligen und einem Freund über Neujahr an die Küste, nach Tanga, war sehr schön. Es war zwar sehr komisch Silvester tagsüber mit über 30 Grad und selbst nachts noch mit über 20 Grad zu verbringen, aber es hat mir doch besser gefallen als immer die Kälte zu haben wie in Deutschland. Am Neujahrstag sind wir dann die Küste entlang nach Pangani gefahren und von dort aus mit einer kleinen Fähre über den Pangani River nach Ushongo Beach. Einen traumhaft weißen Strand wie dort habe ich noch nie gesehen, da war dann alles schlechte der Welt schon wieder vergessen.

Zu meinen Ausflügen wann anders mehr...

 

Mein Weihnachten:

Auch wenn das nun schon wieder fast ein und halb Monate vorbei ist, möchte ich kurz davon berichten.

Von der ganzen Vorweihnachtsstimmung habe ich relativ wenig mitbekommen. Das Einzige war ein kleiner Plastiktannenbaum in unserem Wohnzimmer, die Weihnachtsmusik im Fernsehen und die Mädchen im Kinderheim die oft Weihnachtslieder gesungen haben. Das Wetter war zu der Zeit allerdings etwa bei über 20 Grad und ich hatte so viele neue Einflüsse zu verarbeiten, dass ich gar nicht in Weihnachtsstimmung gekommen bin. Irgendwann meinte mein Mitfreiwilliger nur zu mir „Oh, in ein paar Tagen ist Heiligabend“ und so beschäftigte ich mich dann etwas mehr damit. Wir planten für den Heiligabend in der Nähe essen zu gehen und für den ersten Weihnachtsfeiertag waren wir im Kinderheim zum Mittagessen eingeladen und abends haben wir noch mit unserer Mitbewohnerin gegessen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren wir auf einer Konfirmation eingeladen, die generell sehr schön war, aber wir beide verstanden nicht viel und die Zeremonie war uns sehr fremd. Daher kann man einen wichtigen Vergleich mit dem Weihnachtsfest in Deutschland setzen: es dreht sich vieles und sehr stark ums Essen, was hier aber auch sehr gut ist ( dazu wann anders mehr).

 

Jetzt wo ich all das hier so runterschreibe, kommen mir die drei Monate nur wie ein paar Wochen vor. Die Zeit rennt an mir vorbei und deshalb versuche ich jeden einzelnen Tag hier in meinem neuen Zuhause zu genießen, denn die 9 Monate sind schneller rum als ich denken kann.

Ich hoffe ihr konntet nun alle einen kleinen Eindruck in mein momentanes Leben bekommen, in den nächsten Rundbriefen werde ich versuchen genauer auf bestimmte Punkte einzugehen und auch nehme ich mir schon seit Ewigkeiten vor meinen Blog einzurichten und dort öfter von mir hören zu lassen, ich hoffe das bekomme ich bald hin, dann könnt ihr gerne vorbeischauen unter „warinka.vem-freiwillige.de“.

Ganz liebe Grüße und hoffentlich bis bald,

Warinka

 

PS: über Emails oder sonstige Nachrichten freue ich mich auch immer sehr.

 

 

 

«Neuerer Eintrag | Älterer Eintrag»

 

 

Kommentare

 

 

Kommentar Verfassen

 This is the ReCaptcha Plugin for Lifetype